Meine Camino-Statistik

Meine Strecken und Zeiten (reine Laufzeit abzgl. Pausen) waren:

15.08. Koblenz (Bhf) nach Löf 29,9 km (Anstieg: 658 m, Abstieg: 652 m) in 9:14 Stunden
16.08. Löf nach Treis-Karden 21,7 km (Anstieg: 568 m, Abstieg: 593 m) in 5:39 Stunden
17.08. Treis-Karden nach Bullay 30,6 km (Anstieg: 895 m, Abstieg: 867 m) in 7:33 Stunden
18.08. Bullay nach Traben-Trarbach 27,5 km (Anstieg: 883 m, Abstieg: 842 m) in 7:16 Stunden
19.08. Traben-Trarbach nach Osann-Monzel 19 km (Anstieg: 524 m, Abstieg: 473 m) in 4:45 Stunden
20.08. Osann-Monzel nach KlĂŒsserath 21,8 km (Anstieg: 539 m, Abstieg: 605 m) in 4:36 Stunden
21.08. KlĂŒsserath nach Schweich 16,1 km (Anstieg: 494 m, Abstieg: 478 m) in 3:41 Stunden
22.08. Schweich nach Trier 22,5 km (Anstieg: 533 m, Abstieg: 529 m) in 5:04 Stunden

Das Gewicht meines Rucksacks war ca. 18 kg. Empfohlen werden maximal 10% des Körpereigengewichts.

Nach vier Tagen waren die tÀglichen Schmerzen verschwunden.

An einen Abbruch dachte ich nur am ersten Tag. Ich war in Alken angekommen und fand keine Unterkunft.

In Zell an der Mosel schickte ich ĂŒberflĂŒssige Dinge zurĂŒck. Darunter ein Schlaf-Shirt und Handcreme, die ich fĂŒr Hautprobleme infolge der Wanderstöcke, die ich benutzte, fĂŒr sinnvoll hielt. Das Paket hatte ein Gesamtgewicht von ca. 1,5 kg. Gleichzeitig kam zu meiner AusrĂŒstung eine Isomatte (Gewicht 1 kg) hinzu – die ich allerdings nicht brauchte.

Zwei paar Wandersocken aus Merino-Wolle reichten aus.

Zwei Hosen reichten aus: Eine lange, eine kurze. Ich habe tagsĂŒber die lange getragen als Schutz vor Brennesseln am Wegesrand, zur Vermeidung von Steinen, die in die Schuhe springen und weil die Hose viele Taschen (Smartphone, Portemonnaie, Kugelschreiber, PilgerfĂŒhrer) hat.

Drei Funktionshemden reichten aus: Im Wechsel wurde immer eins gereinigt, eins getragen. Ein drittes wurde abends getragen.

Ab dem dritten Pilgertag reisten ein gesegneter Rosenkranz und ein gesegnetes Amulett aus Maria Engelport mit.

Am dritten Tag hatte ich meinen „Pilger-Moment“ in Beilstein.

Mit insgesamt sechs Blasenpflastern musste ich eine Blase auf Höhe der Achillesferse tÀglich versorgen.

Die schönsten StÀdte auf der Strecke waren Beilstein, Enkirch und Bernkastel-Kues.

WĂ€hrend des Abendessens in KlĂŒsserath wurden wir Zeugen eines Fahrradunfalls.

In KlĂŒsserath wollten Anja und ich unseren Pilgerstempel holen – und landeten beim BĂŒrgermeister!

Die optimierte Packliste fĂŒr den nĂ€chsten Camino ist schon fertig

Der achte Tag auf dem Camino

Der Tag, der fĂŒr mich sehr frĂŒh begann. Schon um halb fĂŒnf war ich wach, konnte nicht mehr schlafen und schrieb den nĂ€chsten Tagesbericht auf Facebook. Noch ein paar Fotos dazu – fertig war der Tag 7. Gestern hatte ich einfach keine Lust mehr dazu. Nach dem schönen Abend im Weinatrium Wallerath mit meinen Mitpilgern war ich nur mĂŒde.

Ich packte die letzten Dinge ein, aß ein bisschen was und brach schon um 5:20 Uhr auf. Alles war ruhig. Die Luft war heute angenehmer und es gab eine leichte Brise. Ich erinnerte mich an gestern: Die Luft stand und war schon ein wenig stickig. Beim ersten GelĂ€ndeanstieg kam gleich der Schweiß durch. Das war heute anders.

Schweich verließ ich in Richtung Nordwesten. Dummerweise hatte ich die GPS-Koordinaten der letzten Etappe nicht auf meinem GPS-GerĂ€t gespeichert. Ich war also dieses Mal wirklich auf mich selbst gestellt. Zum GlĂŒck hatte ich wenigstens die GPS-Koordinaten gespeichert, an denen mein Auto stand. Die wĂ€hlte ich als Ziel, um im Notfall wenigstens die Richtung zu wissen.

Es war noch dunkel und ich musste nun erstmals eine Taschenlampe rausholen, um die wegweisenden Aufkleber zu entdecken. Es ging schnurstracks geradeaus. Nun merkte ich, dass die Beschilderung doch ein paar wenige LĂŒcken aufwies. An einigen Stellen probierte ich es mit Logik (einfach geradeaus, Wegweiser suchen) oder nutzte die Wegweiser anderer Wanderwege und das half.

AuffÀllig war, dass es keine Weinfelder mehr gab. Die Wege kamen mir langweiliger vor, gewöhnlicher.

Ich kam durch die Orte Quint und Ehrang. Pilgerstempel konnte ich um diese Zeit noch nicht ergattern. Die Pfarrei wĂŒrde erst um 9 Uhr öffnen, da wollte ich schon viel weiter sein. Blöd, dass ich so frĂŒh losgelaufen war… in Quint gab es dafĂŒr noch einmal ein sehr schönes Panorama.

Auch die GaststĂ€tte in Biewel, in der es einen Pilgerstempel gab, hatte nicht geöffnet. Die Öffnungszeiten waren außerdem von „ab 12 Uhr“ auf „ab 17 Uhr“ verlegt worden. Dadurch haben vermutlich die meisten Pilger nun keine Chance mehr, dort einen Stempel zu bekommen.

Die Menge der Schildchen, die auf einen Wanderweg hinwiesen, nahm deutlich zu. In Quint entdeckte ich neben dem Mosel-Camino den Schönstatt-Pilgerweg, den Moselsteig, den Moselhöhenweg und den Ville-Eifel-Weg vom Eifelverein.

Vor Trier kam ich bei einem großen Kreuz an, das im Jahr 2007 vom Religionslehrer Johannes Mohr gestiftet wurde. Ich hatte einen ersten wunderschönen Ausblick auf Trier. Meinem Tagesziel.

In Ehrang fand ich dann tatsÀchlich Technik aus dem letzten Jahrtausend, die hier noch im Verkehrsbereich eingesetzt und genutzt wird. In der Zeit, als sie deutschlandweit genutzt wurde, gab es noch die Deutsche Mark.

Zwischen Ehrang und Biewer gab es endlich einen Brunnen, der nicht trocken war. Meinen Vorrat musste ich nicht auffĂŒllen.

Der Camino fĂŒhrte weiter durch WĂ€lder, an alten GemĂ€uern entlang und auf Plattformen, an denen es manchmal einen Ausblick auf Trier gab. Den Zauber der letzten Tage konnte ich nicht mehr gut erkennen.

Das Wetter war angemessen. Das Sonnenlicht flutete die WÀlder und in den Höhen gab es eine schöne Brise.

So kam ich irgendwann in Trier an. Der Weg endete abrupt an einer Straße und ein GewĂŒhl vom Straßenverkehr umschloss mich. Fort waren die BĂ€ume, die Panoramen, die Weinfelder und Wiesen. Sie waren dem Hupen, MotorengerĂ€uschen, geschĂ€ftigem Treiben und Asphalt gewichen. Es fĂŒhlte sich ein wenig wie ein Kulturschock an.

Als ich mich wieder gefangen hatte, lief ich, gefĂŒhrt von den Muschelaufklebern, bis zur nĂ€chsten MoselbrĂŒcke. Die Mosel erschien mir hier noch einmal breiter, grĂ¶ĂŸer und natĂŒrlich wunderschön. Am Ende angekommen, wurde ich an das Ufer gefĂŒhrt. Der nun folgende Weg war sehr langweilig. Immer wieder wurde man von Radfahrern gescheucht. Der Weg fĂŒhrte etwa 3 Kilometer lang geradeaus an der Mosel entlang. Zwar ein wenig entrĂŒckt vom Verkehr, aber der Zauber des Mosel Camino war verpufft.

Schade.

So lief ich nur noch zur Kirche und holte mir meinen letzten Stempel im Laden ab.

Ein paar schöne EindrĂŒcke bekam ich aber doch noch von der Kirche. Es gibt einen unterirdischen Bereich, den sollte man gesehen haben!

Damit endet mein Camino.

Der siebte Tag auf dem Camino

Es sollte die kĂŒrzeste Etappe werden. Ich hatte viel Zeit.

Frisch ausgeruht ging es ans FrĂŒhstĂŒck. Die Hauswirtin erklĂ€rte noch ausfĂŒhrlich die nĂ€chste Strecke des Mosel Caminos, die bevorstand. Ihre Tipps nahmen wir dankbar an.

Wir entschieden uns, getrennt zu laufen. Das ist gar nicht so unĂŒblich auf einem Camino, und so brach ich vor neun Uhr als erster auf.

Vor dem Ortsausgang traf ich auf eine Skulptur des RudemsmĂ€nnchens – einem Geist, der einer lokalen Sage nach im naheliegenden Wald spukt, weil sich zwei benachbarte StĂ€dte nicht darauf einigen konnten, wem ein Waldgebiet gehört.

Ganz in der NĂ€he gab es einen Geocache zu entdecken. Endlich eine Dose, in der Trackables getauscht werden können! Leider war nichts Besonderes enthalten. Keine TauschmĂŒnzen oder andere GegenstĂ€nde.

Es gab auf dem weiteren Weg wieder eine aufwendig ausgestattete Kapelle, einen tollen Panoramablick ĂŒber eine Mosel-Schleife und wunderschöne Weinfelder, die sich an die Berge schmiegten, zu sehen. Leider aber auch MĂŒll, der aus Autofenstern ĂŒber die Leitplanke geschmissen wurde. In der NĂ€he von Ensch gibt es scheinbar eine Person mit viel Begabung im Umgang mit Metall. Am Straßenrand wird man von zwei Blech-Raben auf einem umgekippten Baumstumpf begrĂŒĂŸt. Entlang der Straße folgen noch weitere Blechtiere. Sehr schön gemacht.

Anja traf ich mittags auf einem freien Feld wieder. Sie hatte den ersten Aufstieg duch eine AbkĂŒrzung gemieden. Wie wir spĂ€ter erfuhren, handelte es sich bei dem Feld, auf dem wir standen, um eine Weidewiese fĂŒr Schafe. Wir entspannten noch ein wenig und aßen von unserem Mitgebrachten und gingen dann gemĂŒtlich weiter.

Uns waren schon vor wenigen Tagen braune Kapseln aufgefallen, die immer wieder auf dem Boden lagen. Heute erfuhren wir von einem Weinbauern, dass sie Hormone enthalten, die SchÀdlinge auf biologische Weise von den Weinstöcken fernhalten.

Nach einem kleinen FußgĂ€ngertunnel kamen wir schließlich in Schweich an – unserem heutigen Ziel. Wir fanden ein EiscafĂ© und genossen Spaghettieis. Anschließend ging es zu den Pensionen, die wir gebucht hatten. Das Tagesziel war erreicht.

Nicht lange nach uns trafen auch Josef und Anna ein. Abends saßen wir zu einem letzten Abendessen beisammen, genossen dazu den lokalen Wein und unsere Gesellschaft. Wir waren Freunde geworden.

Den letzten Tag wĂŒrde ich alleine gehen, weil ich frĂŒh beim Auto sein möchte. Die Autofahrt ist sehr lang und ich möchte vor dem Abend zurĂŒck in Wolfsburg sein.

Entsprechend fĂŒhlte ich etwas Wehmut, gemischt mit ein wenig Heimweh. Ich hatte drei tolle Freunde gewonnen und wĂ€re mit ihnen gerne noch weiter gepilgert. Andererseits freute ich mich, endlich wieder zu Hause zu sein, meine Tochter zu sehen, Freunde zu treffen…

Der sechste Tag auf dem Camino

Der Tag begann mit einem netten kleinen FrĂŒhstĂŒck. Nichts Besonderes, aber es gab ein FrĂŒhstĂŒcksei, das perfekt war: Eigelb weich, Eiweiss fest. Außerdem auch kleine Pflaumen, Aufschnitt und eine ganze Kanne Kaffee. Außer mir waren vier Monteure im Speiseraum. Ich ließ mir nicht viel Zeit und schaffte es, pĂŒnktlich um halb acht beim einzigen Supermarkt vor der TĂŒr zu stehen und auf Einlass zu warten. PĂŒnktlich mit dem Kirchengong ging die Jalousie hoch. Ich kaufte Äpfel und Wasser, weil das Wasser in der Herberge sehr chemisch roch und ich meinen Trinkvorrat entsprechend nicht erneuert hatte.

Dann ging es weiter zu Anjas Unterkunft, dem „Zimmer am Weg“. Sie frĂŒhstĂŒckte, als ich ankam, und berichtete von einer AbkĂŒrzung, die die Wirtin kennt und uns mitteilen wollte. Nein, nichts fĂŒr mich, ich wollte gerne den ganzen Camino gehen. Also brach ich ohne Anja auf. An diesem Tag sollte es ĂŒber 30°C warm werden und die wollte ich nicht auf dem Camino erleben, sondern erst möglichst nahe am Ziel.

Also lief ich schon um acht Uhr weiter. Wolken legten sich an die BerghĂ€nge und hĂŒllten sie ein. Sie lösten sich langsam auf und ließen interessante Streifen zurĂŒck. Es sah alles sehr idyllisch aus. Die Luft war leider nicht so frisch wie gestern, aber trotzdem noch angenehm.

Es gab wieder zahlreiche Weinfelder zu sehen. Auch ein paar Brunnen tauchten auf, doch sie fĂŒhrten kein Wasser.

Es ging unaufgeregt weiter. Ich schaffte etwa 5 km Weg in einer Stunde und kam noch am Vormittag in Klausen an. Klausen ist ein Wallfahrtsort mit einer Kirche im ĂŒblichen Stil: Weiße Steine, rot abgesetzt, mit dunklem Kirchendach. Ich entdeckte die Eberhardsklause, einen Dorfladen mit angebundener Herberge fĂŒr Pilger. Der Laden ist sehr gut sortiert und ich kaufte etwas fĂŒr die Hygiene und weiteres Wasser (das gleich aufgetrunken wurde). Mittlerweile wurde es doch etwas warm und ich war durstig geworden.

In der Eberhardsklause gab es sogar zwei Pilgerstempel. Neue EintrÀge in meinem Pilgerpass

Gleich danach ging es weiter. Die Sonne hatte mittlerweile an Kraft gewonnen und sendete ihre Strahlen auf mich herab. Die Erfrischung wirkte noch und nach einem annehmbaren Aufstieg fĂŒhrte der Weg in ein Waldgebiet. Der Schatten spendete willkommene Frische und ich konnte einfach weiterlaufen. Es folgten schließlich wieder sonnige Abschnitte, sogar ein Geocache in einem kleinen WaldstĂŒck, und ein weiterer, nicht funktionierender Brunnen an einer Raststelle, neben einer kleinen, liebevoll gepflegten Kapelle.

Nach einer kurzen Rast ging es schon weiter, immer auf die Bergspitzen. Die Panoramen, die sich vor mir ausbreiteten, waren atemberaubend. Die Mosel zog eine weitere Schleife und ĂŒberall schmiegten sich die StĂ€dte an ihren Lauf. Der Anblick war schön, aber die Sonne brannte mittlerweile im Zenit auf mich herunter. Ich ließ mir wenig Zeit, denn ich wollte zur nĂ€chsten Pension kommen.

Bevor ich zu meinem Ziel KlĂŒsserath kam, musste ich wieder Weinfelder passieren. Die Muschel-Wegweiser fĂŒhrten mich hindurch und ich probierte noch einmal Trauben. Sie waren hier zwar auch klein, aber schon viel sĂŒĂŸer und damit genießbar.

Schließlich ging es deutlicher bergab und ich erreichte schon um 13 Uhr die Stadt. Sie erschien schmuckloser als die Orte zuvor und es fehlte auch an Touristen. Ein Dorf, dessen Bewohner sich vor der Sonne in den HĂ€usern schĂŒtzten und nicht in Erscheinung traten.

Es gibt hier eine Kirche, die sehr schön und aufwendig ausgestattet ist. Die Anzahl der KirchbĂ€nke entspricht eher nicht der geringeren Zahl an BĂŒrgern die hier leben, so meine Vermutung.

Es gibt zwei Pizzerien, ein wegen Corona geschlossenes Museum und einen großen Campingplatz, der die Stadt auf Abstand hĂ€lt zur Mosel. Viele Dauercamper, nur wenige junge Menschen.

Am Abend saßen Anja, Josef, Anna und ich zusammen beim Italiener (ja, Vater und Tochter aus dem MĂŒnsterland haben Namen) und speisten dort vorzĂŒglich.

SpĂ€ter genossen wir noch einen Wein der Hauswirtin und lachten und erzĂ€hlten uns gegenseitig. Es war ein schöner Tag, aber fĂŒr meinen Geschmack zu wenig „Camino“. KlĂŒsserath war einmal mehr von Tourismus geprĂ€gt. Der BĂŒrgermeister erzĂ€hlte Anja und mir, dass ein erneuter Versuch, einen Supermarkt mit regionalen Produkten zu eröffnen, nach nur anderthalb Jahren an den fehlenden Kunden scheiterte. Die BĂŒrger fahren lieber in die umliegenden Orte und kaufen in den SupermĂ€rkten ein.

Jetzt, wo ich das schreibe, muss ich daran denken, wie oft ich im Internet Dinge bestelle, statt im örtlichen Handel nachzusehen. Der Preis bestimmt das Überleben und nicht der Verstand. Das trifft mittlerweile auf so viele Dinge zu.

Das war mein sechster Tag auf dem Camino.

Der fĂŒnfte Tag auf dem Camino

Wir hatten morgens eine schöne Unterhaltung mit der Wirtin der Pilgerherberge, die unsere FrĂŒhstĂŒckszeit dadurch ĂŒber die geplante Zeit hinweg dauern ließ. Die Herberge glĂ€nzt nicht nur mit einer besonders aufmerksamen, sondern auch besonders fleißigen Wirtin: Das FrĂŒhstĂŒck stand auf dem Tisch, es gab sehr leckere selbstgemachte Marmeladen aus WaldfrĂŒchten, Mirabellen und anderem Obst. Außerdem konnten wir uns mit selbstgemachtem Eistee erfrischen – Pfefferminztee mit Zitronen!

Der FrĂŒhstĂŒcksraum war auch gleichzeitig ein Aufenthaltsraum, der mit viel Holz und Liebe fĂŒr Details und ein gemeinsames Miteinander punktete. Es gab Gesellschaftsspiele, einen Couchtisch mit Couch, den Esstisch mit StĂŒhlen, an dem wir frĂŒhstĂŒckten, und eine Theke.

Wir lernten zwei weitere Pilger kennen, die zusammen unterwegs waren. Einer aus Hamburg, der andere aus Rostock. Es wurde eine heitere Runde und unterhielten uns darĂŒber, dass sie mit den RĂ€dern pilgern und noch 70 von Trier entfernt sind – das sollte in einem Tag zu schaffen sein, weil sie immer an der Mosel entlang radeln wollten.

Schließlich holten wir uns noch einen weiteren Pilgerstempel und brachen auf. Nebel lag auf den Bergen und die Luft war frischer als an den Morgenden zuvor. Es war angenehm, zu laufen und die Frische linderte zunĂ€chst alle Anzeichen von Anstrengung.

Dann ging es allerdings wieder bergauf. Nicht so lange, aber doch etwas steil. So machten wir kleine, kurze Pausen, denn wir wollten nicht viel Zeit verlieren. Die Luft wurde klarer und der Weg fĂŒhrte uns wieder zwischen viele Weinfelder bis nach Bernkastel-Kues. Die ersten Anzeichen einer Stadt gab es durch eine sehr alte Mauer, daneben ein verputztes Haus mit einer Informationstafel, die erklĂ€rte, dass das Haus einmal ein GefĂ€ngnis war. Es folgte ein schönes Stadttor, hinter dem wieder verwinkelte Straßen und HĂ€user lagen.

Auf der Tafel an einem Haus stand:

KĂŒss bezeiten
schöne MÀdchen.
Trink beizeiten
guten Wein.
Bald zerreißt Dein
LebensfÀdchen,
und ein and’rer kĂŒsst
die MĂ€dchen
und ein andrer trinkt
den Wein.

Sehr viele LĂ€den standen leer oder waren geschlossen. An einem Fenster stand in weißen handschriftlichen Buchstaben geschrieben:

Geöffnet wenn wir Bock haben

So liefen wir weiter, bis wir ein EiscafĂ© fanden. Dort bestellten wir eine Flasche Riesling, die wir uns teilten. Sicher war es der Anstrengung und der Sonne geschuldet, dass der Wein etwas zu Kopfe stieg. So bezahlten wir und machten uns kichernd auf den Weg. Ich musste noch zu einer Tourist Info, um UnterstĂŒtzung bei der Suche nach dem nĂ€chsten Zimmer zu bekommen. Außerdem gab es wieder einen Pilgerstempel. Fast vergessen: Vor dem CafĂ© nebenan machten sich gerade der Vater und die Tochter Platz, die wir gestern bei der Marienburg getroffen und in Zell an der Mosel wieder verloren hatten.

Pilgerstempel und ein neues Zimmer bekam ich schnell bei der Tourist Info und so liefen wir weiter. Noch kurz was SĂŒĂŸes bei einer BĂ€ckerei und es ging an einem Riesenrad vorbei. Uns holten das wiedergetroffene Vater-Tochter-Gespann ein und wir folgten gemeinsam dem weiteren Camino an der Mosel entlang. Zwischendurch mussten wir hintereinander herlaufen, weil Radfahrer uns passierten. An einer Stelle brach dann mein Wanderstock entzwei, der am ersten Tag beim Sturz auf einem schmalen Weg leicht verbogen war. Mit einem Wanderstock ging es weiter.

Bei einem erneuten Aufstieg waren wir dann wieder zu zweit. Wir hattten genĂŒgend Zeit und gönnten uns zwischendurch Pausen. Der kaputte Wanderstock wanderte in den nĂ€chsten MĂŒlleimer, den ich bei schönster Aussicht finden konnte.

Es ging weiter an reiferen Weinstöcken (an denen wir kosteten: Lecker!) vorbei bis nach Osann-Monzel.

19 km habe ich geschafft und heute gönne ich meinen FĂŒĂŸen mehr Ruhe.

Der vierte Tag auf dem Camino

Ich hatte sehr gut im GĂ€stezimmer des CafĂ©s und Konditorei Görgen in Treis-Karden geschlafen. Fit fĂŒr den weiteren Weg. Auch das FrĂŒhstĂŒckbuffet war sehr ansprechend. Kein Wunder: Bei einer angebundenen Konditorei darf man was erwarten und so gab es unter dem frischen GebĂ€ck auch frischen Plunder.

Anja kam dazu und wir liefen zusammen los. Es war ein sonniger Morgen und bei 18°C und einer frischen Brise ging es los.

Über einen geschotterten Waldweg gelangten wir zur Marienburg. Die Aussicht war ĂŒberwĂ€ltigend, auch weil die Mosel hier eine Schleife macht. Wir holten uns den nĂ€chsten Pilgerstempel ab und lernten dabei auch gleich einen Vater mit seiner sportlichen Tochter, beide aus dem MĂŒnsterland, kennen. Auf dem weiteren Weg liefen mal sie, mal wir vorne weg. Irgendwann beschlossen wir dann, gemeinsam zu gehen und so kamen wir zu viert in Zell an der Mosel an.

Dort fand ich endlich ein GeschÀft, in dem ich eine Isomatte kaufen konnte. Nach der letzten gut geruhten Nacht hatte ich nun kein Problem mehr, die nÀchste Nacht möglicherweise wieder auf einem Campingplatz zu verbringen. Das zusÀtzliche Gewicht glich ich aus, indem ich ein paar Sachen einpackte und nach Hause schickte. Ein Schlafshirt? Brauchte ich noch nicht. Solarpanel? Schadet dem Akku eher, wie ich ja feststellen musste. Etwa 1,5 kg schickte ich per Paket nach Hause.

Als wir aus Zell wieder heraus waren, sollte einer der heftigsten Anstiege kommen. Der Weg begann unscheinbar zwischen zwei Glascontainern und verlangte sofort einiges von uns ab. Wir brauchten viel Kraft und Zeit, um den Waldweg bei enormer Luftfeuchtigkeit zu bewĂ€ltigen. Etwa 300 Höhenmeter mussten auf 3 km bis zur SchutzhĂŒtte „Schöne Aussicht“ ĂŒberwunden werden. Belohnt wurden wir mit einer ĂŒberwĂ€ltigenden Aussicht auf eine Moselschleife, die von bunten Weinfeldern gesĂ€umt wurde.

Die weitere Strecke ging durch WĂ€lder, war teils steil oder steinig. Wenige Male verpassten wir eine Abbiegung und mussten uns von meinem GPS leiten lassen. Zum GlĂŒck kamen wir immer wieder auf den richtigen Weg zurĂŒck.

Den Bummkopf hatte ich irgendwie nicht wahrgenommen. Laut meinen GPS-Aufzeichnungen habe ich ihn aber passiert. Nun denn…

Vor Enkirch fanden wir einen Zwetschgenbaum und erfrischten uns mit dem reifen Obst, das er trug. Sehr lecker!

Ich wollte gerade einen nahenden Regenschauer filmen, da war er schon direkt ĂŒber uns. Schnell stellten wir uns unter einen Baum, taten die Regencapes ĂŒber und liefen weiter.  Wir beobachteten interessiert, wie die Wassermassen zwischen den Weinstöcken die Kanalisation erreichten, wo sie zu einem reißenden Strom gelenkt wurden. Enkirch hatte den satten Guss abbekommen, alles war noch tropfnass. Der Regen war nach wenigen Minuten schon vorbei und wich der warmen Sonne.

Wir gingen zur Tourist Info, um uns einen Pilgerstempel abzuholen. Wir wussten vom PilgerfĂŒhrer, dass nun ein weiterer steiler Anstieg kam und Anja entschied sich gegen die Gefahr, auf dem Anstieg auszurutschen oder mit glitschiger OberflĂ€che kĂ€mpfen zu mĂŒssen und erkundigte sich nach einer Busverbindung.

Weil die supernette motivierte Mitarbeiterin so dafĂŒr warb, den Aufstieg zu machen, weil die Aussicht besonders sei, entschied ich mich fĂŒr die Fortsetzung. Etwas Kampfgeist spielte auch mit: Ich wollte unbedingt den ganzen beschilderten Weg gehen.

So verabschiedeten wir uns bei schönem Sonnenschein vor der Tourist Info und ich pilgerte alleine weiter. Es ging tatsĂ€chlich schnell aufwĂ€rts – allerdings fĂŒhrten mich asphaltierte Straßen durch steile, verwinkelte Gassen durch die HĂ€user. Es sah wieder einmal ziemlich „urig“ aus.

Schließlich fĂŒhrten die Wegweiser zu einem Pfad, der aus Erde, Steinen und Treppenstufen bestand. Er fĂŒhrte zwischen den HĂ€usern aus der Stadt hinaus auf saftige grĂŒne Wiesen zu einer SchutzhĂŒtte. In dieser waren Informationen ĂŒber einen Musik-Wanderweg angebracht, der an dieser HĂŒtte vorbeifĂŒhrte, und ĂŒber die weiteren Wege, die diesen Teil des Berges spannten. Ich lief weiter in Richtung Traben-Trarbach.

Unterwegs konnte ich immer wieder den Mosellauf verfolgen. Boote auf dem Wasser und Inseln, die den Fluss stellenweise teilten, brachten Abwechslung. Auf der anderen Seite sÀumten dichte LaubwÀlder die Landschaft und oben, auf dem Gipfel, konnte ich lÀngliche GebÀude ausmachen. Vermutlich verarbeitende Betriebe.

An einer Liebesbank fand ich eine Blechdose. Ich öffnete sie und fand Liebeskarten darin. Sehr schön gemacht. Ich schloss die Dose wieder. Eine kleine Geste mit einer großen Wirkung. So eine kleine Dose macht den Ort noch einmal zu etwas Einmaligem.

Weiter ging es durch Wiesen, BĂ€ume behinderten die Sicht zur Mosel und es ging langsam wieder abwĂ€rts. Der Camino fĂŒhrte immer weiter in WĂ€lder hinein. Teils wurde der Weg steiler und ich musste mit meinen Wanderstöcken aufpassen, dass ich den Halt nicht verliere. Statt Pilgern begegneten mir Menschen aus der Gegend. Familien und Frauen, die mit Hunden gassi gingen.Plötzlich setzte wieder der Regen ein. Furchtbar! Erneut musste ich das mittlerweile getrocknete Cape herausholen und ĂŒber meinen vom Regen genĂ€ssten Körper und Rucksack ziehen. Dann ging es weiter.

Auch beim Abstieg gab es zwischendurch Treppenstufen, die in den Kurven der Serpentinen Wanderer leiteten. Diese waren vom Regen nass – und schon war ich ausgerutscht. Zum GlĂŒck war ich vorsichtig gelaufen und konnte gleich wieder aufstehen und weiterlaufen. Allerdings fĂŒhlte ich mich unwohl in der Regenpelle. Auf meiner Haut waren Regen und Schweiß zu einer klebrigen FlĂŒssigkeit vereint, außen der Regen, der das Cape an mich drĂŒckte, damit es auch möglichst viel klebte. Dazu war es etwas schwĂŒl. Kein schönes GefĂŒhl!

Ich rief noch einmal in der Pilgerherberge an, denn ich wollte nicht zum Campingplatz laufen. Das wĂ€re nochmal eine lange Strecke gewesen. Am Telefon erfuhr ich, dass ich doch noch unterkommen könnte. Aber ein Zelt auf dem Anwesen – nein, das kommt nicht in Frage.

Ich lief also weiter. Kilometer hatte ich noch vor mir und die lief ich einfach stur, ohne auf Schmerzen, Wetter oder das klebende Cape zu achten. Schließlich kam ich um 19 Uhr in der Herberge an. Anja hatte mitbekommen, dass ich um diese Zeit ankomme, und wartete am Eingang auf mich. Sie fĂŒhrte mich herum und zeigte mir das Pilgerzimmer, in dem auch ich schlafen durfte. Möglich wurde das, weil mehrere Pilger in einer Gruppe reisten und daher ohne Abstandsregeln nĂ€chtigen durften. So wurde etwas Platz frei, den ich nutzen konnte. GlĂŒck gehabt!

Den Abend verbrachten wir dann bei Döner und Pizza und „feierten“, dass wir nun die halbe Dauer unseres Camino hinter uns gebracht haben. Ich habe heute 27,1 Kilometer geschafft, insgesamt also etwa 108 Kilometer vom Camino.

Der dritte Tag auf dem Camino

Gestern hatte ich einen Zeltplatz gefunden. Meine Erkenntnisse: Das Zelt ist zu klein und ein wenig durchlĂ€ssig. In der Nacht kamen immer wieder zwei Gewitter zum Zuge und prĂŒgelten ihre Regentropfen auf den Campingplatz. Es gab auch Ruhephasen, die ich nutzte. Um das Badehaus zu besuchen und am morgen war der ganze Zauber vorbei. Um 6:10 Uhr wachte ich auf und war sofort startklar, obwohl ich in der Nacht immer 45-90 Minuten schlafen konnte, dann aufwachte und wieder einschlief. Einmal riss ich im Schlaf eine Zeltstange um und musste sie mit den FĂŒĂŸen wieder aufrecht hinstellen. Dann pustete mir etwas Regen ins Gesicht. Der Boden war zu hart, weil ja eine Isomatte fehlte und ich wusste oft nicht, wie ich am bequemsten liegen konnte.

ZunÀchst ging ich zum Supermarkt, der um 7 Uhr öffnete. Bananen und etwas Wasser, weil ich ja festgestellt hatte, dass 2 Liter in einer Wasserblase nicht ausreichen. Das sollte ich auch heute wieder merken, aber 3 Liter sind okay.

Um halb 8 ging es dann endlich los. Ich warf noch einmal einen Blick auf die junge Frau, die mir aufgefallen war: Um die Augen zu stark geschminkt, Typ „Cindy aus Marzahn“, aber die schlankere Variante davon. Sie stand einfach auf dem Parkplatz und hörte Schnulzen auf ihrem Smartphone.

Der Anfang war etwas komisch, weil ich auf einer Bundesstraße laufen sollte. Doch, alles richtig. Der GPS-Track bestĂ€tigt, die Muschel-Aufkleber bestĂ€tigen. Der Boden war nass. Alles war nass, sogar mein Schlafsack war nass.

Es gab wieder eine Burg zu sehen, alte HĂ€user, viele religiöse Einrichtungen, orangene Nacktschnecken und HolzstĂ€mmen in erstaunlichem Maße. Irgendwann kam ich zum Schwesternkloster Maria Engelport, wo ich mir ein Andenken kaufte. Ein Priester segnete es sogar fĂŒr mich und erklĂ€rte, dass es mich beschĂŒtzen wĂŒrde.

Weiter ging es, allerdings sehr steil. Das GefĂŒhl kam dem in einem Tropenhaus nahe: Nass und sehr warm. Der Schweiß spritzte aus allen Poren. Nach 300 Höhenmetern war ich am glanzlosen Gipfel angekommen. Na toll. Keine besondere Aussicht. Es ging wieder bergab mit Aufs und Abs und irgendwann erreichte ich – eine SchutzhĂŒtte! Na endlich! Diese wird von einem Verein gepflegt. Leider haben Besucher achtlos ihren MĂŒll liegen lassen. Wer den wohl wegrĂ€umt?

Nach einer StĂ€rkung ging es weiter ĂŒber Felder, durch WĂ€lder und Wiesen nach Beilstein, wo auch die Burg Metternich stolz emporragt. Der Anblick ist wirklich toll, mit den Fahnen… schon aus der Ferne kommend ĂŒberkam mich mein Pilger-Moment. Wer die Geschichte „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling kennt, der erinnert sich: Jeder Pilger wird einmal weinen. Es handetl sich um einen Moment der Erkenntnis und kann eine tiefe VerĂ€nderung im Lebenspfad auslösen.

Was es bei mir wird weiß ich noch nicht. Aber ich konnte mich nur schlecht zurĂŒckhalten und ließ alles raus. Ich wusste, dass ich mein erstes Ziel heute erreicht hatte.

In Beilstein begeisterten mich die HĂ€user. Die Anordnung, die GrĂ¶ĂŸe, die Farben… total urig! Muss man gesehen haben! Ähnlich kenne ich es von Mallorca, so klein und verwinkelt. Ich mag sowas.

Schon schnell nahm ich wieder die FĂ€hrte auf und folgte den Muscheln weiter aus der bunten Stadt heraus. Ich kam an einer Stelle vorbei, an der StĂŒhle aufgestellt waren. Tische, sogar Barhocker und ein Sonnenschirm und einen Grill gab es. Sowas ist möglich, wenn Nachbarn zusammenhalten. Toll! Ich mag solche FĂ€lle von Eigeninitiative, wo einfach angepackt wird.

Dann ging es weiter, an der Straße entlang. Hörte ich ein Auto, ging ich an den Rand und wartete auf das passierende Kfz. FĂŒr meinen Geschmack zu gefĂ€hrlich, aber es ist die Pilgerstrecke.

Dann folgte ein Pfad mit Brennesseln. Zum GlĂŒck hatte ich lange Hosen an!

Nach einer langen Wanderung durch den Wald kam ich zum „Bienenfernseher“. Eine Station, an der man Bienen beobachten und etwas ĂŒber Bienen erfahren kann. Sehr schön! Ich holte mein Solarpanel raus, um seine Funktion an meinem Smartphone auszuprobieren. Leider ging das stĂ€ndig an – aus – an – aus. Eher schĂ€dlich fĂŒr den Akku – und fĂŒr meinen RĂŒcken! Die 700 g hĂ€tte ich mir sparen können!

Der weitere Weg fĂŒhrte mich ĂŒber Wiesen und Felder, an einer zweiten SchutzhĂŒtte vorbei und durch einen Wald. Schließlich landete ich in Bullay. Eine Herberge war schnell gefunden und ich verabredete mich noch einmal mit Anja, die in Beilstein die FĂ€hre und anschließend ein Taxi genommen hatte. Sie war eine halbe Stunde vor mir hier angekommen.

Wir saßen bei einem gemĂŒtlichen Glas Wein und ich aß noch einen Flammkuchen. Alles sehr lecker 🙂 Ich bin gespannt, was der morgige Tag bringt. Hoffentlich Linderung fĂŒr die FĂŒĂŸe. Die sehen gar nicht gut aus!

Der zweite Tag auf dem Camino

Heute bin ich nach einem ausgiebigen FrĂŒhstĂŒck in Löf gestartet und entlang der Bahnlinie gewandert. Die Sonne zeigte sich und damit auch ihre Kraft. Mein Wasservorrat war frisch aufgefĂŒllt. Heute wĂŒrde ich merken, dass 2 Liter nicht ausreichen.

Auf dem Weg habe ich Anja kennengelernt. Sie kommt aus Bremen, 50 Jahre alt, Pilgerin. An der Jakobsmuschel, die an ihrem Rucksack baumelte, konnte ich gleich erkennen, das auch sie den Mosel-Camino lĂ€uft. Sie ĂŒberlegte, abzubrechen und ich lud sie ein, gemeinsam weiter zu gehen. Das wirkte und so hatten wir den ganzen Tag schöne Unterhaltung, die uns durch Hatzenport, Lasserg zur Burg Eltz fĂŒhrte. Eine wunderschöne Burg inmitten eines Tals. Dort tauchten wir unsere FĂŒĂŸe ins Wasser. Das Blasenpflaster, das ich am Morgen hinten an den Fuß gemacht hatte, weil die Haut abgescheuert war, war nun ebenfalls heruntergerieben. Schnell ein neues drauf, das hoffentlich hilft. Dann befolgte ich auch endlich den Rat, zwei Paar Socken zu tragen, um den Abrieb zu vermindern. Ich bin gespannt, ob das wirklich hilft!

Es ging weiter bis nach Treis-Karden. Kurz vorher schauten wir noch bei einer HĂŒtte vorbei, die am Wochenende geöffnet hat, und hatten schöne GesprĂ€che mit der Wirtin und ihrem Mann. Die Aussicht war atemberaubend! Man konnte bis nach Treis-Karden blicken und der Wirt erklĂ€rte, in welcher Richtung der Campingplatz liegt, den ich ansteuern wollte.

Von Anja verabschiedete ich mich. als wir bei ihrer Pension ankamen. Einen Stempel bekam ich aber noch 🙂 Dann ging es weiter zum Campingplatz, wo ich um 19 Uhr erschöpft ankam. Man konnte die ganze Zeit ein Grummeln hören, das nĂ€her kam.

Als ich an meinem zugewiesenen Platz angekommen war, regnete es. Ich baute flugs das Zelt auf (noch kleiner als befĂŒrchtet) und verkroch mich darin. Als der Regen aufhörte, zog ich meine Birkenstock an und erforschte die Umgebung. Zwei SupermĂ€rkte in der NĂ€he, einer wĂŒrde schon um 7 Uhr öffnen. Na dann werde ich pĂŒnktlich sein!

Was habe ich gelernt?
– Das Solarpanel hĂ€tte ich vermutlich nicht gebraucht.
– Das Zelt ist zu klein und nur weil jemand in den Erfahrungsbericht schreibt, es sei wirklich komplett wasserdicht, muss das nicht stimmen.
– Trotz wenig Schlafs total ausgeruht.
– Mit anderen pilgern macht Spaß. Man sollte aber vollkommen unvoreingenommen sein.
– Wasser ĂŒberall auffĂŒllen! Zwei Liter sind zu wenig.

Buen Camino

Buen camino bedeutet Guter Weg. Es bedeutet aber auch Richtige Richtung. Eine Sichtweise zum Beispiel oder einfach der eigene Lebensweg. Ein nicht so leichtes Unterfangen, denn der Mensch ist geneigt, sich festzulegen in Ziel und Werten und Àndert das mit zunehmendem Alter kaum.

Nach einer relativ kurzen Planung habe ich nun alles zusammen, um einen Camino zu gehen. Er fĂŒhrt von Koblenz nach Trier und etwa 160-180 km an der Mosel entlang der Weinberge, vorbei an Wallfahrtsorten durch WĂ€lder, Wiesen und StĂ€dte.

Was das Ziel ist? Einerseits die wunderschöne Stadt Trier, in der eine Kirche, in der die Gebeine des Heiligen St. Matthias liegen sollen. Andererseits möchte ich endlich aus dem Alltag entschleunigen, einmal keine Termine und keine WĂŒnsche, die ich erfĂŒllen muss oder Aufgaben, die ich zu erledigen habe.

Los geht es um 11 Uhr am Bahnhof in Koblenz. Neugierig gehe ich zum Bahnhofsvorplatz und sehe gleich einen ersten Geocache. Schnell gefunden, geloggt und weiter.

Ich habe mir einen GPS-Track gespeichert, der zum Schloss Stolzenfels und von dort direkt auf den Mosel-Camino fĂŒhrt.  Diesem Track folge ich zunĂ€chst und muss feststellen, dass er an der Mosel entlang fĂŒhrt, ĂŒber einen Umweg. Mein Ziel liegt heute sowieso hinter dem Ende der ersten Etappe. Da will ich mir diese ĂŒberflĂŒssigen Kilometer sparen und wĂ€hle nun die Koordinaten vom Schloss Stolzenfels als Ziel.

Auf dem Weg dahin begegnet mir noch ein Geocache und dann komme ich um 13 Uhr am Schloss an. Es sieht imposant aus, wie einige seiner GebĂ€ude in den Berg eingearbeitet wurden und somit ihren Zweck erfĂŒllen.

Nachdem ich meinen ersten Pilgerstempel an der Kasse abgeholt habe, geht es weiter. Der Weg geht aufwĂ€rts durch den Wald. ZunĂ€chst wundere ich mich darĂŒber, dass der Weg mehrfach mit Jakobsmuscheln ausgewiesen ist. SpĂ€ter stelle ich fest: Es handelt sich um den linksrheinischen Camino, der den Mosel-Camino kreuzt.

Auf dem Weg begegnen mir keine anderen Pilger. Die meiste Zeit bin ich tatsÀchlich allein, abgesehen von ein paar Crossbikern.

Den ersten Tag schaffe ich mit fast 30 km und falle um 20:30 Uhr ins Bett im Hotel Traube in Löf. Das war ein langer Tag!

Was brauchte ich?

  • Smartphone
  • Mundschutz wegen Covid-19-Infektionsgefahr
  • gute Schuhe (die habe ich, dafĂŒr aber keine Blasen!)
  • GPS
  • meine Trinkblase
  • Sonnenhut gegen die heiße Sonne
  • Wanderstöcke
  • weniger Schmerzempfinden

Meine fĂŒnfte Challenge: Bunte Steine gegen den Corona-Blues

Worum geht es?

Diese Challenge ist allen gewidmet, die zuhause bleiben oder sich anderen Menschen fernhalten, um sich und andere nicht zu infizieren. Es besteht die Gefahr von Lagerkoller, die man nicht nur ernst nehmen, sondern auch bekĂ€mpfen sollte. Zum Beispiel durch Teilnahme an Challenges 😉

In meiner neuen Challenge möchte ich die immer populÀrer werdende Steinschlange auch in Wolfsburg prÀsenter machen.

Ausschnitt einer Steinschlange im Hasselbachtal
Teil einer Steinschlange im Hasselbachtal

Ihre „Glieder“ bestehen aus etwa faustgroßen Steinen, die mit Acrylfarben bemalt wurden. Sie fördern die KreativitĂ€t und bieten eine willkommene Abwechslung zu dieser Zeit der Isolation. Ein gleichzeitiges Aufeinandertreffen von Personen aus unterschiedlichen Haushalten ist nicht nötig.

Was brauche ich?

Die Einkaufsliste ist gar nicht so lang und wenn man sich, wie ich, schon einmal mit Acrylmalerei, z.B. auf LeinwÀnde, beschÀftigt hat, sind die meisten Utensilien bereits vorhanden:

  • Acrylfarben aus der Tube oder als Stifte
  • ggf. Pinsel
  • Klarlack
  • Steine, z.B. aus dem Baumarkt oder Gartencenter
  • eine kreative Ader oder Inspiration aus dem Internet, z.B. bei Pinterest
  • Zeitung zum Unterlegen
  • KEINE aufzuklebenden Applikationen wie Kulleraugen, SteinplĂ€ttchen o.Ă€. – die lösen sich und werden zu einem Problem in der Natur

Mit diesen Utensilien können Steine nach Belieben bemalt werden.

Mein persönlicher Beitrag

Der ist bereits erfolgt: Ich habe mit der Schulleitung gesprochen und die Erlaubnis zum Bilden einer Steinschlange erhalten. Dann habe ich eine Info geschrieben, den Ausdruck einlaminiert und in direkter NĂ€he der Steinschlange angebracht. So erfĂ€hrt jeder, der an dem noch kleinen Steinhaufen vorbeilĂ€uft, was es damit auf sich hat und wird vielleicht motiviert, eigene Steine hinzuzufĂŒgen.

Außerdem habe ich die Facebook-Gruppe „#Wobstone – bunte Steine in Wolfsburg“ ins Leben gerufen und bei allen Elternvertretern der Schule um UnterstĂŒtzung gebeten. Das erste Ergebnis kam bereits gestern abend.

Der Anfang unserer „Leo-Schlange“

Die Steinschlange liegt neben dem Parkplatz am Haupteingang der Leonardo-da-Vinci Grundschule. Dort soll sie wachsen und schöne Steine hervorbringen, an denen sich FußgĂ€nger erfreuen.

Außerdem sollen Steine mit dem Tag „#WobStone“ versehen und an schönen PlĂ€tzen ausgelegt werden. NatĂŒrlich werde ich mich auch daran beteiligen.